Kultur, Sport und Bildung

Viele Musiker nutzen die Blockchain bereits, um den Erlös aus digitaler Musik fairer zu verteilen. Die Blockchain ermöglicht direkte Tantiemen-Zahlungen an Musiker, ohne Mittelsleute oder Plattenlabels. Mit den sogenannten Smart-Contracts der Blockchain ist der Besitz der Rechte an den Musikstücken nachvollziehbar und für jeden einsehbar. Das Musikkollektiv Mycelia, gegründet von Grammy-Gewinnerin Imogen Heap, setzt sich für eine dezentrale Musikdatenbank ein, auf der Musikstücke mit Smart-Contracts angeboten werden. Diese Verträge erlauben es Musikern, ihre Lieder direkt an den Endverbraucher zu verkaufen und ermöglichen eine gerechte und transparente Verteilung der Tantiemen. Ujo Music, dessen Mitgründer Jesse Grushack an der Blockchain Valley Conference am GDI zu Gast sein wird, hat kein geringeres Ziel, als die Musikindustrie mit Hilfe der Blockchain zu revolutionieren. Beim Kauf von Musikstücken über seine Plattform werden die Lizenzgebühren ebenfalls automatisch auf Basis von Smart-Contracts erhoben.

Als Alternative zu Hollywood sieht sich der weltweit erste über das Ethereum-Netzwerk finanzierte Film «The Pitts Circus». Das Schweizer Projekt wurde mit Blockchain-basierten Ethereum-Coins, sogenannte Tokens, finanziert. Diese Token können gekauft und gehandelt werden. Die Inhaber der Coins sind am Filmprojekt gewinnbeteiligt und zwar während 20 Jahren. Ab März 2018 soll der Film in die Kinos kommen.

Ein ähnliches Prinzip bietet sich im Sportmanagement an. Die Blockchain könnte die Finanzierung von Sportlern dezentralisieren und so Sportmanagement-Agenturen und Unternehmenssponsoren überflüssig machen. Die Zukunft der Athleten würde in die Hände der Fans gelegt, die ihre Stars finanziell über die Blockchain unterstützen und gleichzeitig am Erfolg der Sportler beteiligt würden. Das Jetcoin Institute führte ein erstes Experiment mit dem italienischen Fussballteam Hells Verona durch.  



Auch im Bildungsbereich bietet die Blockchain neue Möglichkeiten, Prüfungsergebnisse lückenlos nachvollziehbar zu machen. Sind Noten einmal über die Blockchain registriert, lassen sie sich nicht mehr unbemerkt verändern. Die Universität Melbourne will als eine der weltweit ersten Unis die Leistungen ihrer Studierenden mit Hilfe der Blockchain dokumentieren. So haben Arbeitgeber die Möglichkeit, die Angaben ihrer Bewerber an offizieller Stelle schnell und auf granularer Ebene zu überprüfen.

Verkehr

Die Kreditkartengesellschaft Visa und das amerikanische Unternehmen für digitale Signaturen DocuSign gingen Ende 2015 eine Partnerschaft ein, die Blockchain nutzt, um das Autoleasing zu vereinfachen. Der Kunde wählt das Auto, das er leasen will, Vertrags- und Versicherungsabschluss werden direkt im smarten Auto vom Fahrer unterzeichnet und im öffentlichen Kontobuch («Ledger») der Blockchain registriert. Das gleiche Prinzip kann bald auch für Autoverkäufe angewandt werden.



Gleich mehrere Start-ups wollen dem US-amerikanischen Taxivermittler Uber mit einer Blockchain-Mitfahrgelegenheit Konkurrenz machen. So vermittelt das Start-up Arcade City über ein Peer-to-Peer-Netzwerk professionelle Fahrer und wickelt alle Transaktionen über die Blockchain ab.

Die Grossbank UBS, der Automobilzulieferer ZF und das Energieunternehmen Innogy entwickeln derzeit ein Blockchain-basiertes elektronisches Portemonnaie, das es Autobesitzern in Zukunft ermöglichen soll, automatisch für Autobahn-, Park-, und Stromgebühren zu zahlen.

Handel und Logistik

Zwei Milliarden US-Dollar verliert die Versicherungsbranche jährlich aufgrund von Diamanten-Betrug. Das Start-up Everledger will das ändern. Das Londoner Unternehmen dokumentiert den Besitz von Diamanten und macht so die Lieferkette für Händler und Versicherungen transparent. Die Herkunft der Diamanten, ob legal abgebaut, gestohlen oder aus Konfliktzonen, lässt sich auf diese Weise leicht nachverfolgen. Bis jetzt wurden über eine Million Diamanten bei Everledger registriert und bekommen so einen digitalen «Fingerabdruck». Jedes Mal, wenn der Diamant gehandelt wird, wird die Transaktion registriert. So entsteht eine unveränderbare digitale Spur vom aktuellen Besitzer bis hin zum Ursprung des Diamanten. Mit diesem System kann die Lieferkette praktisch für jedes erdenkliche Produkt dargestellt und transparent gemacht werden.

Unter den vielen Unternehmen, die daran sind, Blockchain-Lösungen für die Supply-Chain zu entwickeln, sind beispielsweise Provenance, Skuchain oder Hijro.

Mit der Blockchain können Händler Geschenkgutscheine und Bonussysteme sicherer und günstiger machen. Nutzt man Gutscheine, die in der Blockchain registriert sind, braucht es keine Mittlerunternehmen mehr für die Abwicklung und Registrierung der Verkäufe. Alles wird direkt in der Blockchain dokumentiert. Gyft, eine Onlineplattform, auf der man Gutscheine kaufen, versenden und einlösen kann, versorgt tausende kleine Geschäfte mit Geschenkgutscheinen, die über die Blockchain registriert sind.



Das Start-up Open Bazaar akquirierte bis jetzt vier Millionen Dollar Kapital und will Amazon Konkurrenz machen. Auf seinem dezentralen Marktplatz fällt der Händler weg, Transaktionen finden direkt zwischen Käufern und Verkäufern statt und sind dank Dokumentation über Smart-Contracts transparent. Open-Bazaar-CEO Brian Hoffman spricht am 13. Juni an der Blockchain Valley Conference.

Information und Kommunikation

Auch für die kriselnde Medienindustrie bietet die Blockchain neue Monetarisierungsmöglichkeiten. Mit Hilfe von Micro-Transaktionen können über die Blockchain Käufe abgewickelt werden, ohne dass hohe Gebühren anfallen. Eine Onlinezeitung kann ihren Nutzern so einzelne Seiten oder Artikel in Rechnung stellen, anstatt monatlicher Abonnements. Gleichzeitig garantiert die Blockchain das Recht an Wort und Bild, da die Weiterverwendung der Artikel automatisch protokolliert wird. Eine solche Blockchain-basierte Content-Publishing-Lösung bietet beispielsweise das Unternehmen Decent.




Unternehmen, die Ihren Kunden Cloud-Speicher anbieten, sind heute meist von den zentralen Servern grosser Cloud-Anbieter wie Google oder Dropbox abhängig. Kombiniert man nun die Cloud und Blockchain, umgeht man die zentrale und kostspielige Ablage. Blockchain-Start-ups wie Stroj ermöglichen es ihren Nutzern, nicht benötigten Cloud-Speicher anderen Nutzern für ein geringes Entgelt zu vermieten. So entsteht ein dezentraler Cloud-Speicher, der weniger anfällig für Hackerattacken und Datenverlust ist.

Brian Hoffman, CEO des Blockchain-Marktplatzes Open Bazaar und Jesse Grushack,
Mitgründer der dezentralen Musikplattform Ujo Music, werden an der Blockchain Valley Conference vom 13 Juni 2017 zu Gast sein. Melden Sie sich jetzt an!

Warum die Blockchain alle betrifft, erfahren Sie hier.