Seit sich ab 2014 die ersten Blockchain-Unternehmen am Zuger Seebecken ansiedelten, ist viel passiert. Längst ist aus ein paar wenigen Start-ups ein ganzes Ökosystem entstanden. Das zeigt auch unsere Netzwerkanalyse. Vor allem zwei Arten von Organisationen sind auf Twitter besonders gut eingebettet: einerseits vielversprechende Tech-Start-ups und andererseits eine Vielfalt an Plattformen, Finanzierungs-Partnern, Konferenz-Organisatoren und Beratungsunternehmen.

Methode
Wir haben eine mehrstufige Betweenness-Centrality-Analyse für diejenigen Unternehmen durchgeführt, die im Crypto Valley mit Blockchain-Bezug tätig sind. Für solche Netzwerkanalysen verwenden wir die MIT-Software Condor. Als Ausgangsmaterial fungierten die Kommunikationen rund um die Twitter-Accounts der Unternehmen, die auf der Webseite von Cryptovalley aufgeführt sind.

Analysiert wurden in einem ersten Schritt nicht nur die Tweets der Unternehmen selbst, sondern auch Tweets, die auf sie Bezug nehmen. Ausgangspunkt für die Erstellung eines Netzwerkes waren jeweils die letzten 500 Tweets von und über die ausgesuchten Unternehmen. Mittels Condor wurden aus den gesammelten Tweets Betweenness-Werte errechnet: Diese Netzwerk-Werte geben an, welche Accounts im untersuchten Kommunikationsraum eine besonders zentrale Rolle spielen. Je höher der Betweenness-Wert (Knotengrösse im Netzwerkbild) eines Unternehmens, desto wichtiger ist dieses für den Kommunikationsfluss in der analysierten Twitter-Sphäre.

In einem nächsten Schritt haben wir unsere Twitter-Account-Liste mit denjenigen Institutionen und Firmen ergänzt, die in der ersten Netzwerkanalyse neu (und besonders exponiert) auftauchten – und die zudem selbst in der Crypto-Valley-Region agieren.

Insgesamt wurden 14000 Tweets analysiert. Trotzdem zeigt das finale Twitter-Bild nur die Vernetzung von mehr als 3000 Tweets. Denn sind nur Tweets sichtbar, die den Hashtag Blockchain verwenden. So kann sichergestellt werden, dass wirklich nur Organisationen auftauchen, die explizit mit dem Thema Blockchain in Verbindung stehen.

Im Netzwerkbild sichtbar sind die Namen der wichtigsten Twitter-Accounts von Organisationen, die über Blockchain sprechen oder über die in Zusammenhang mit dem Thema Blockchain gesprochen wird. Wie wichtig die jeweiligen Start-ups, Unternehmen und Plattformen im Diskurs sind, verrät die Grösse der Knoten.
Twitter-Netzwerk des Crypto Valley
Vielversprechende Start-ups
In unserem Twitter-Netzwerkbild tauchen vor allem junge Unternehmen auf, die entweder schon eigene Blockchain-Protokolle entwickelt und veröffentlicht haben oder gerade dabei sind, mit ihren Produkten auf den Markt zu gehen:
  • @ethereumproject: Die ab 2013 entwickelte Smart-Contract-Software wird für verschiedenste Anwendungsbereiche genutzt. Wie coindesk.com aktuell berichtet, hat die Ethereum-Währung Ether ein Kapitalvolumen von 35 Milliarden US-Dollar.
  • @LykkeCity: Die dezentrale Handelsplattform hat kürzlich bekannt gegeben, dass nebst Bitcoins und anderen Kryptowährungen nun auch mit Ether gehandelt werden könne. Leztes Jahr war die Firma 54,2 Millionen Franken wert.
  • @monetasnet: Monetas baut eine Transaktions-Plattform auf, die zwar nicht auf der Blockchain-Technologie basiert, jedoch zentrale Elemente davon nutzt. Weil Crypto Valley und Blockchain häufig in einem Atemzug genannt werden und das Unternehmen ein wichtiger Player im Crypto Valley ist, taucht es in unserem Twitter-Netzwerk deshalb auf.
  • Weitere Software-Start-ups sind @melonport (Blockchain-Plattform für den Handel mit digitalen Assets, basiert auf dem Ethereum-Protokoll), @ShapeShift_io (Trading-Plattform für alle Arten von Kryptowährungen und Blockchain-Tokens), @SingularDTV (Blockchain-Unterhaltungs-Plattform) und @modum_io (Speicherung von Besitzrechten in der Ethereum-Blockchain).

Supporter und Erklärer: Das Umfeld der Start-ups
Im direkten Umfeld der oben aufgeführten Start-ups befinden sich eine Vielzahl unterschiedlicher Organisationen: Verbände, Meet-ups, Event-Organisatoren und Beratungsfirmen. Sie alle profitieren von der Präsenz erfolgreicher Blockchain-Unternehmen und wollen die Region von Zug bis Zürich als Crypto Valley stärken.
  • @thecryptovalley: Die Organisation wurde 2017 unter anderem von Bitcoin Suisse, iprotus, Monetas, Thomson Reuters und der Hochschule Luzern gegründet. Ihr Ziel ist die Stärkung des Crypto Valleys als Ökosystem für Krypto-Technologien und -Business.
  • @blockchain_comp: Das Finanzierungs-Projekt Blockchain Competition von der Investment-Firma Lakeside Partners fördert Blockchain-Start-ups durch Preisgeld, Know-How und wichtige Kontakte.
  • @validitylabs: ValidityLabs hat eine Marktlücke erkannt und bietet Managern, Software-Entwicklern und Anwälten Workshops zum Thema Blockchain an.
  • Weitere Organisationen im Ökosystem der Software-Start-ups sind @finnovationCH (grösster Schweizer FinTech-Verband), @blockchainerCH (Organisation von Blockchain Meet-ups), @FintechCH (News-Seite für FinTech-Sektor, unter anderem mit einer Rubrik Bitcoin/Blockchain), @MME_Switzerland (Beratungsunternehmen für Recht und Steuern, auf Bitcoins spezialisiert), @finance20ch (Organisation von FinTech-Konferenzen) und @nexussquared (Business-Plattform zur Stärkung des Schweizer Blockchain-Ökosystems).

Dass Tech-Start-ups auf Twitter weniger Aufmerksamkeit auf sich ziehen als Verbände oder Supporting-Unternehmen, hat vermutlich primär mit der besseren Vernetzung dieser Organisationen zu tun – sie ist schliesslich ihr Kapital. Die Entstehung eines ganzen Ökosystems rund um diese Start-ups zeigt aber auch, wie gross die Anziehungskraft des Crypto Valley und die Erwartungen an die Blockchain-Technologie sind.