Er braucht nur Sonne und Sand. Der Solar Sinter schmilzt mittels einer Linse den Wüstensand und baut aus dem entstehenden Naturglas in vielen kleinen Schritten Schicht für Schicht eine Schale. Was aussieht wie Zauberei, ist die kreative Kombination handelsüblicher Technologie – Solarzellen für den Strom, ein Laptop mit der Bauskizze und ein 3-D-Drucker mit Lasersinterverfahren.

Idee wie die den Solar Sinters faszinieren viele Menschen, denn sie lassen eine scheinbare Utopie greifbar werden – Dinge autark zu produzieren, irgendwo auf diesem Planeten. Auch, und besonders, in den Teilen der Welt, in denen eine ausgefeilte Infrastruktur und arbeitsteilige Grossindustrie fehlt. Könnte so eine Zukunft der Produktion aussehen, die ärmeren Ländern eine wirtschaftliche Aufholjagd mit anderen, schlanken Mitteln ermöglicht?

Wer sich einen 3-D-Drucker kauft, und dazu noch eine Handvoll Maschinen, zum Beispiel einen Laserschneider, ein kleines Elektroniklabor und eine kompakte computergesteuerte CNC-Fräse, der kommt dem Ziel einer Produktherstellung schon recht nahe. Mit solchen Maschinen entsteht ein Fab-Lab (Fabrication-Lab). Mittlerweile gibt es über hundert Fab-Labs in allen Teilen der Welt. Nutzer jeden Alters und aller Couleur können dort computergenerierte Baupläne entwickeln und austauschen und daraus allerlei Dinge fabrizieren.

«Produktion muss bedarfsgerecht ablaufen»

Werden die Möglichkeiten eines Fab-Labs für die Herstellung konkreter Produkte genutzt, könnte man von einer «Minifabrik» sprechen. «Wenn wir Menschen in Entwicklungsländern jedoch einfach ein paar solcher Minifabriken hinstellen und sagen: Damit könnt ihr (fast) alles machen, wird wenig geschehen», meint Andreas Gebhardt, Professor für Rapid Prototyping an der FH Aachen. Vielmehr müsse die Produktion bedarfsgerecht ablaufen – mit einem ganz anderen Einsatz von Ressourcen.

«Die zweite industrielle Revolution machte alles schneller, mit weniger Menschen. Die dritte industrielle Revolution könnte diese Entwicklung umkehren», meint Andreas Gebhardt. Wenn lokale Minifabriken in Dorfgemeinschaften zur Verfügung stehen, könnten sich viele Menschen an der Auswahl und am Design geeigneter Produkte oder von Ersatzteilen, die produziert werden sollen, beteiligen. Mit dem Einsatz von Zeit statt Geld können nötige Kompetenzen erworben und erweitert werden – um die Qualität wirklich nötiger und sinnvoller Dinge zu erhöhen anstelle einer konsumorientierten Vergrösserung von Produktpaletten.

Noch gibt es diese Minifabriken nicht, doch die Fab-Labs in immer mehr Städten und Regionen könnten ihre Vorläufer sein. Besonders in den ärmeren Ländern dieser Welt fabrizieren sie Erstaunliches. Im Fab-Lab von Dschalalabad in Afghanistan entstanden 45 Netzwerkknoten für die Internetversorgung. Das Besondere: Die Reflektorantennen wurden mit Laserschneidern und CNC-Fräsen vor Ort aus vorhandenem Material hergestellt. Holz kam genauso zum Einsatz wie leere Pflanzenölbehälter. Als er die Antennen sah, soll ein US-Offizier beeindruckt zugegeben haben, dass er selbst wohl Tausende Dollar für importierte Technologie ausgegeben hätte – während es die afghanischen Fabber mit quasi kostenlosem Material selbst geschafft haben.

Fab-Labs, Minifabriken; für die ärmeren Länder und Regionen dieser Welt ist die Grundidee die gleiche: Lokale Produktionsräume schaffen sinnvolle Geräte und Dinge zur nachhaltigen täglichen Anwendung. Sie befähigen die Menschen vor Ort, fördern Erfinder- und Unternehmergeist und reduzieren die Abhängigkeit von aussen.

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