Douglas Rushkoff war dabei, als sich in den Geburtstunden des Internets in den späten Achtziger- und frühen Neunzigerjahren die erste Netz-Avantgarde bildete. Er befeuerte die Entwicklung mit Schriften, die das Potenzial der Digitalisierung für ein besseres Wirtschaftssystem hervorhoben.

Heute ist von diesem Optimismus wenig übrig. In seinem nächsten Buch greift Rushkoff die Digital Economy frontal an und wirft ihr vor, ihr Potenzial verspielt zu haben. «Technologische Errungenschaften würden nur für den Shareholder-Value eingesetzt, nicht für das Gemeinwohl. «Laser hätte die Medizin revolutionieren können, stattdessen wurde er für die Kriegsführung eingesetzt», so Rushkoff im Interview vor seinem Vortrag an der GDI-Handelstagung.



Statt ein besseres Wirtschaftssystem zu generieren, maximiere die digitale Wirtschaft das bestehende kapitalisitische System. Das lasse sich besonders am überall als «disruptiv» gefeierten System Uber erklären. «Die drei wichtigsten Faktoren der Wirtschaft sind Kapital, Land und menschliche Arbeit. In einem guten Unternehmen nehmen Land und Menschen am Gewinn des Unternehmens teil. Uber extrahiert menschliche Arbeit, Autos und Strassen – und verwandelt es in Shareholder-Value. Die Menschen, die den Wert des Unternehmens generieren, sind nicht beteiligt.»

Das Beispiel zeige beispielhaft, dass die Digital Economy den Kapitalismus auf eine neue Stufe heben – mit verheerenden Folgen: «Wer nur das Kapital verehrt, zerstört den Planeten» sagt Rushkoff. «Wir sind eine Gesellschaft, die sich selbst umbringt.»

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