«Es gibt keinen Autor, auf dessen Bücher ich mich mehr freue als Vaclav Smil», schrieb Bill Gates diesen Sommer. «Er versteht eine phänomenalen Bandbreite von Themen, von Energiefragen bis zu Landwirtschaft», so der Microsoft-Gründer, «nutzt Daten, um zu illustrieren, worüber er schreibt. Das Wort 'Universalgelehrter' wurde für Leute wie ihn erfunden.»

Die interdisziplinäre Arbeitsweise des kanadischen Wissenschaftlers ist tatsächlich aussergewöhnlich ertragreich. Smil denkt vermeintlich unvereinbare Wissenschaften wie Ökologie und Ökonomie zusammen. Das ermöglicht es ihm, wertvolle Antworten auf komplexe Probleme zu liefern, zum Beispiel auf die globale Ressourcenfrage: Wie viel Ressourcen verbrauchen Menschen rund um die Welt (viel), ist das zuviel (ja) und können wir etwas dagegen tun (ja)?

In seinem neuesten Buch, «Harvesting the Biosphere», nennt Smil den Verbrauch von Ressourcen denn auch die «grundlegendste menschliche Tätigkeit». Das Ernten der Biosphäre habe uns über Tausende von Jahren überhaupt erst zu zivilisierten Menschen gemacht. Doch jetzt seien wir an einem Punkt, an dem wir unseren Planeten überernteten. Unser Konsum habe verheerende Auswirkungen auf die Biosphäre, die uns ernähre.



Gerade die Nahrungsmittelproduktion sei völlig aus dem Ruder gelaufen: Extensiver Anbau und überfischte Weltmeere brächten das Biosystem nahe an den Absturz. Und während Konsumenten wahlweise unter Hunger oder Fettleibigkeit litten, nähmen Lebensmittelskandale eben so zu wie der globale Berg aus Food-Abfällen.

Das System Essen braucht eine Justierung, und Smil nimmt sie in «Harvesting the Biosphere» vor. Unter Zuhilfenahme von Wissensgebieten wie der Demographie, Technologie und Politik liefert Smil Lösungen für die Food-Krise. Ohne Berührungsängste thematisiert er Vor-und Nachteile des Vegetarismus ebenso wie der Gentechnologie: ein wertvoller Leitfaden für einen zeitgemässen Nahrungsmittelkonsum und ein globaler Ausblick in die Zukunft der Ernährung im Age of Less.