Dies ist ein Auszug aus dem Vortrag «Was ist ein Pionier?», gehalten von Mövenpick-Gründer Ueli Prager am Gottlieb Duttweiler Institut im Rahmen der Internationalen Handelstagung 1999. Wieder entdeckt im Buch «Hommage zum 100. Geburtstag von Ueli Prager» von Kasimir M. Magyar.

Dass Mövenpick eine Weltmarke werden könnte, das erträumte ich mir damals und noch für einige Zeit nicht. Mehr aus Jux verkündete ich jeweils, die Schweiz soll bekannt sein für die Schoggi, den Schweizerkäse und für Mövenpick.

Dass aus dem Scherz einst aber etwas anderes werden könnte, das erlebte ich, als das berühmte Magazin Geo, Pendant zum Geographical Magazine, ein Interview mit uns wollte. Irgendwann Anfang der 60er Jahre erschien Geo mit einer exklusiven Nummer über die Schweiz. «Die drei M der Schweiz», hiess es auf dem Titelbild.

Sie ahnen es. Migros, Mövenpick und das dritte M war die Martha Emmenegger, die Frau, die mit ihrer täglichen Frage- und Antwortkolumne im Blick und im Radio den verklemmten Schweizern und Schweizerinnen zu befreiteren und lustvolleren Nächten verhalf. Den Nichtschweizern zur Erklärung, Martha war die erste, zuerst umstrittene, dann hoch angesehene Sexberaterin der Boulevard-Blätter und des Radios.

Und so kam es halt, dass Mövenpick sich mauserte und international wurde, von Aegypten, Saudiarabien, Toronto, Peking, bis Neuseeland.

Die Basis von Mövenpick ist die Gastronomie. Nur die damalige Einmaligkeit der Mövenpick Restaurants hat es gestattet, nachdem bereits 8 erfolgreiche Mövenpick Restaurants existierten, diesem Bukett zur Vervollkommung noch zwei renommierte Top gewertete Gourmet-Restaurants, beizufügen.

Und diese Einmaligkeit hat es auch erlaubt, umgekehrt glaubhaft und mit hohen Ansprüchen die ersten Fast Food Restaurants in Europa, die «Silberkugeln», zu gründen. Mit dem gleichen unverbrüchlichen Glauben an unsere gastronomische Kompetenz folgten Hotels, in welchen die Gastronomie einen Schwerpunkt bildete, im Gegensatz zu vielen Hotels, in denen die gastronomische Leistung ein ungeliebtes Kind ist. Aus diesem Wissen heraus, dass die Konstanz in der Qualität Tag für Tag, sieben Tage in der Woche, im Küchenbereich etwas vom Schwierigsten ist, einzuhalten, in diesem Bewusstsein haben wir angefangen, gewisse Dinge selber zu fabrizieren. So Rauchlachs und alle übrigen Meeresfische aus dem Rauch, Backwaren, schliesslich Ice cream, die zuvor jeder Patissier trotz zentralen Rezepten nach eigenem und nicht immer rezeptkonformen Gutdünken machte. Aus dieser Tätigkeit, die sichtlich erfolgreich war, entstand die Möglichkeit, Lizenzpartner zu suchen. Lizenznehmer fanden sich in Deutschland, Norwegen, Finnland, Benelux, schliesslich Singapur und Neuseeland, basierend auf dem kompromisslosen Qualitätsprinzip der Mövenpick Restaurants.

Ich bin mir bewusst geworden, dass die einfachen Regeln die ich mir und den Mövenpicks gesetzt hatte, der Komplexität des neuen Unternehmens nicht mehr Rechnung tragen konnten. Anfang der 80er Jahre habe ich zehn neue Regeln gesetzt. Als ich 1956 die 10 einfachen Regeln aufschrieb und versuchte, sie meinen Mitarbeitern bei jeder Gelegenheit plausibel zu machen, da gab es zum mindesten in der Schweiz und schon gar nicht in der Restauration und Hotellerie jemanden, der seinem Tun klare und verständliche, umsetzbare Regeln gab. Ausser, das betonen ich hier mit besondere Freude, Gottlieb Duttweiler, der seine Gedanken in einer über all die Jahre geltenden Unternehmensphilosophie fest hielt. Seither hat fast jede Firma ihre Charta oder ihr Bekenntnis oder wie immer die Grundsätze betitelt werden.

Download: Vollständige Abschrift des Vortrags als PDF hier.

Lektüre zum Thema:
Kasimir M. Magyar: «Hommage zum 100. Geburtstag von Ueli Prager». Zu kaufen in der Buchhandlung Bodmer, Zürich.