Lange Zeit wusste eine breite Öffentlichkeit wenig über Nicolas Berggruen. Aufmerksamkeit erregte der US-deutsche Investor höchstens, als er 2010 die Kaufhauskette Karstadt rettete. Damals machte auch die Geschichte vom Milliardären, der all seine privaten Häuser und Wohnungen verkaufte und fortan in Hotels wohnte, die Runde. Und jene, dass ihn das US-Einwohneramt deshalb offiziell als Obdachlosen führt.

Mit Berggruens relativer Unbekanntheit dürfte es nun bald vorüber sein. Das liegt zum einen am Nicolas Berggruen Institute. Der Think-Tank hat sich zum Ziel gesetzt, die Krise der demokratischen Regierungsform zu lösen und versammelt Ex-Spitzenpolitiker wie Condoleezza Rice und Gerhard Schröder ebenso in seinen Reihen wie Unternehmer wie Eric E. Schmidt und Ariana Huffington.

Ein weiterer Grund für Berggruens neue Bedeutung ist sein 2012 veröffentlichtes Buch «Intelligent Governance for the 21st Century: A Middle Way Between West and East». Viele Medien lobten das Buch bald als wichtiger Beitrag zur weltweiten Krise der Regierung. Zuletzt wählte es die «Financial Times» in ihre Liste der Bücher des Jahres.

Laut Berggruen verunmöglicht im Westen eine kurzfristige Politik der Konsumkultur wirkliche Reformen, während im Osten autoritäre Regimes ohne Selbstkorrektur Entwicklungen der Demokratie verhindern. Dabei, so die These Berggruens, könnten Regierungen aus beiden Weltsphären profitieren, wenn sie die «best practices» der Gegenseite übernähmen. Was Berggruen mit dem Wortspiel «China must lighten up, the US must tighten up» meint, erklärt das BBC-Video-Interview (oben).

Am 10. Juni 2013 erläutert Berggruen die Eckpunkte seiner «Intelligent Governance» in einem Referat im GDI Gottlieb Duttweiler Institute. Im Anschluss diskutiert ein prominent besetztes Podium mit Berggruen, Ko-Autor Nathan Gardels und GDI-CEO David Bosshart unter der Leitung von Haig Simonian (Financial Times). Melden Sie sich an!